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Shift-Left mit System - beschleunigte SIL- und HIL-Tests: Erfahrungen mit intelligenter Testselektion

Written by Andreas Wilhelm | 24 Aug 2026, 06:36:47

Schnelles Feedback nach einer Code-Änderung ist in der Embedded-Softwareentwicklung oft Wunsch, selten aber Realität. Die klassische Testpyramide lehrt uns, Tests auf verschiedenen Ebenen zu etablieren: von sehr schnellen, isolierten Unit-Tests über Software-in-the-Loop (SIL) bis hin zu ressourcenintensiven Hardware-in-the-Loop (HIL) Tests. Jede Stufe ist für die Qualitätssicherung bedeutend: Unit-Tests prüfen die Logik, HIL garantiert das finale Hardware-Verhalten, und SIL fungiert als der entscheidende Hebel dazwischen, um das Systemverhalten hardwareunabhängig abzusichern.

Das Problem beim viel beschworenen "Shift-Left": Mit der Zeit wachsen SIL- und HIL-Testsuites massiv an. Ein vollständiger Testlauf dauert irgendwann Stunden oder Tage. Als Notlösung fliegen lang laufende Tests oft aus der CI/CD-Pipeline. Dennoch verstopfen die Pipelines, Entwickler:innen warten frustriert auf Ergebnisse, und das Ziel von "Continuous Testing" rückt in weite Ferne. Wie lässt sich dieser Engpass auflösen, ohne an Testabdeckung einzubüßen?

Ein Ansatz, der in der Forschung schon lange verfolgt wird, ist die intelligente Test-Selektion durch die Test-Impact Analyse (TIA). Anstatt bei jedem Commit die gesamte Testsuite auszuführen, ermittelt die TIA präzise, welche Codezeilen sich geändert haben und welche Tests diese Zeilen tatsächlich durchlaufen. Es wird nur noch die Teilmenge an Tests ausgeführt, die tatsächlich betroffen sind.
In diesem Vortrag zeige ich, wie TIA Testlaufzeiten bei anhaltend hoher Fehlererkennung oft um bis zu 90% verkürzt. Die Praxisumsetzung demonstriere ich anhand von zwei Szenarien: Zum einen zeige ich die Beschleunigung von SIL-Testsuites für das Zephyr RTOS basierend auf dem Emulator Renode. Zum anderen teile ich Erfahrungen aus Closed-Source-Systemen, wo TIA den Flaschenhals teurer HIL-Tests erfolgreich aufbricht. Neben der technischen Umsetzung, von der effizienten Coverage-Erfassung über das Code-Test-Mapping bis zur nahtlosen CI/CD-Integration, beleuchte ich dabei auch ungeschönt die Limitierungen und praktischen Hürden, die es bei der Einführung von TIA im Projektalltag zu meistern gilt.